Das neoliberale Projekt entstand ab den 1940er Jahren in den Eliten als Gegenbewegung gegen den „Kollektivismus“, wie die Situation in den sowjetisch dominierten Ländern, aber genauso die sozialdemokratische Bewegung in Westeuropa bezeichnet wurde. In der Bundesrepublik wurde ab den 1970ern gegen den „Gewerkschaftsstaat“, die „soziale Hängematte“ des Sozialsystems und die „Anspruchsinflation“ der Massen gekämpft, die zur Überforderung des Staates führe.

Das sozialdemokratische Projekt war allerdings schon lang an eigene Grenzen gekommen, bevor es von den Eliten durch das neoliberale Projekt beendet wurde. Vor allem war klar geworden, dass es ökologisch und global nicht nachhaltig war.

Wesentlich verfolgt die neoliberale Utopie ein Projekt des Regierens der Massen: Möglichst alle Lebenssituationen sollen so umgestaltet werden, dass es sich für alle Einzelnen so anfühlt, als ob jeder selbst für sich entscheiden kann/ muss und entsprechend die Konsequenzen tragen muss. Jeder Zusammenschluss zur Vertretung gemeinsamer Interessen gefährdet diesen Eindruck. (Philip Mirowski) Typisch für die neoliberale Politik ist insofern die Schaffung von Pseudo-Märkten im Bildungsbereich: Ranking-Systeme, Exzellenz-Wettbewerbe, Befristung wissenschaftlicher Arbeit und Bindung an Projektförderung usw. usw. Aber auch für Staaten wie Unternehmen wurden Ranking-Systeme entscheidend im Hinblick auf die Kreditfinanzierung. Genauso wie die Länder der Europäischen Union im Steuer-Wettbewerb untereinander zur Innovation getrieben werden sollten, war dies auch für die Bundesländer im Gespräch. Die öffentlichen Aufgaben der Alterssicherung, Bildung, Post, Bahn, Energiewirtschaft usw. wurden ganz oder teilweise privatisiert, um „Wettbewerb“ einzuführen. Aber Wettbewerb wurde ebenso zwischen den verschiedenen Betrieben bzw. Abteilungen in jedem Unternehmen hergestellt: Was vorher hier als öffentliche Aufgabe bzw. dort als Zuarbeit für das Unternehmensziel insgesamt gesehen wurde, sollte jetzt autonom, adaptiv und optimal organisiert werden. In der „Dynamik“ und „Innovation“ verselbständigter Einheiten sollte einem disruptiven UNENDLICHKEITS-Denken Raum geschaffen werden, das von jedem Wissen über grundlegende Ziele der menschlichen Arbeit gereinigt ist (siehe Das K-Wort) - und sei es so vage wie das "allgemeine Wohl“. (siehe Grundgesetz)