Die „Märkte“ werden – erst recht in der Zeit der Vorherrschaft des neoliberalen Projekts - in einem Wirkungsgeflecht von politisch-wirtschaftlichen Experten herausgebildet und immer neu überformt. Der Gedanke, „der Staat“ möge „die Wirtschaft“ wieder stärker kontrollieren, ist deshalb doppelt unangemessen: „Die Wirtschaft“ ist nicht der Ort, an dem ein Übel entsteht und „der Staat“ nicht das Außen, von dem aus dieses Übel eingehegt werden könnte.

Zur Zeit der Gründung der Bundesrepublik war dabei jedoch der traditionelle Gedanke, dass es für unser Wirtschaften grundsätzlich Ziele gebe, selbstverständlich. Im Grundgesetz wurde diese Tradition mit der folgenden Formulierung aktualisiert: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (Art. 14 (2)) Dieser Satz zielt auf etwas anderes, wichtigeres als nur staatliche Kontrolle des Wirtschaftens. Er stellt fest, dass es jenseits des Wirtschaftens eine Ebene der Ziele gibt, von denen aus dieses Wirtschaften beurteilt werden kann und muss. Das bedeutet: Es gibt prinzipiell Kriterien, nach denen beurteilt werden kann

- ob die Märkte als Gesamtheit alle Bedürfnisse, die artikuliert werden, mit den angebotenen Waren auch befriedigen

- ob bestimmte Bedürfnisse nirgends befriedigt werden

- ob bei der Befriedigung der Bedürfnisse an den vorhandenen Märkten andere, als wichtiger angesehene Bedürfnisse verletzt werden

- und vor allem ob diese Möglichkeiten dem obersten Prinzip der Verantwortung für die zukünftige Sicherung menschlicher Lebensgrundlagen genügen.