Das „Volk“, die „Massen“ oder den „Pöbel“ als Problem und als Gefahr zu sehen, hat eine lange Tradition. (siehe Menschen-Wölfe) Als Haupt-Aufgabe der politischen Führung wurde – schon in den Monarchien des Ancient Régime - gesehen, das „Volk“ im Interesse des Allgemeinwohls gut zu regieren, dessen Kräfte im Zaum zu halten und sie so einzusetzen, dass der Reichtum des Landes gesteigert wird. Das konnte bedeuten, für die Massen die Ernährungsgrundlage zu sichern, neue Technologien in Landwirtschaft oder Bergbau durchzusetzen und Manufakturen zu fördern oder weniger anspruchsvoll Aus- und Einwanderung zu organisieren, usw. . Natürlich war „das Volk“ nicht nur passiv. Das französische Ancient Régime musste zum Beispiel regelmäßig Hungerrevolten militärisch niederschlagen.

Schon in den zahlreichen „Regierungslehren“ für den Fürsten war jedenfalls der Umgang mit dem „Volk“ ein wichtiges Thema.

Um die Wende ins 20.Jahrhundert waren Arbeiterparteien und Gewerkschaften in Deutschland aus dem gleichen Grund für "das Bürgertum" problematisch. Wenn für die Zeit danach vom „sozialdemokratischen Jahrhundert“ (Ralf Dahrendorf) gesprochen wird, dann ist damit gemeint, dass bis etwa in die 1970er Jahre faktisch ein informeller Pakt (Michael Vester) die Richtlinie der staatlichen Politik wie auch des betrieblichen Umgangs miteinander bildete: „Fortschritt“ und „Entwicklung“ zu verfolgen und dabei den Lohnabhängigen einen „gerechten Anteil“ an Bildung, Aufstiegsmöglichkeiten, politischer Teilhabe und materiellem Wohlstand zu gewährleisten.