Wie können Marktwahlen in unser politisches System passen? Zunächst ist klar, dass eine bisherige zentrale staatliche Aufgabe nur formalisiert und demokratisiert wird. Um ein Beispiel zu skizzieren: Die Exportorientierung der Bundesrepublik wurde von Anfang an politisch festgelegt, immer wieder den neuen Weltmarktstrukturen und globalen politischen Bedingungen angepasst und ist bis heute die zentrale Aufgabe von staatlichen Investitionen, Wirtschafts-, Struktur- und Steuerpolitik. Ein wesentlicher Bestandteil war die Herausbildung der Auto-Industrie als „Rückgrat“ der deutschen Industrie, mit Fernstraßenbau, dem Ideal der „autogerechten Städte“ usw. usw. . Die dabei ständig notwendigen großen und kleinen Entscheidungen wurden im Zusammenspiel und Gegeneinander von Experten aus Staat, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft getroffen - wie zuletzt die Entscheidungen für eine vernetzte E-Mobilität.

Auch wenn diese Prozesse in Marktwahlen nur formalisiert und transparent gemacht würden, ergibt sich dennoch die Frage, wie sie dem herkömmlichen System von Exekutive, Legislative und Judikative im Einzelnen eingefügt werden. Insbesondere müssen sie von den Kompetenzen des Gesetzgebers abgegrenzt werden. Teile der öffentlichen Verwaltung wären wohl – statt wie bisher Fachministerien – einer Marktwahlbehörde zugeordnet. Gesetzlich muss klar definiert werden, welche Institutionen oder Gruppen eine Marktwahl beantragen können. In diesem Zusammenhang kann man darüber nachdenken, auch Teile der heutigen Vertretung des wirtschaftlichen Sachverstands rechtlich zu formalisieren: Industrie- und Handelskammern mit ihrer Zwangsmitgliedschaft nehmen schon heute eine halbstaatliche Zwischenposition ein. Da nur unter rechtlich fixierten Bedingungen Marktwahlen legitim sind, muss insofern eine richterliche Überprüfung möglich sein.