Mit der deutschen „Energiewende“ liegt ein konkretes Beispiel vor, wie ein grundsätzliches Ziel in einem Suchprozess der beteiligten Experten und Politiker, genauer in ihrem Machtgeflecht überformt wurde. Gleichzeitig wird deutlich, dass damit auch vielfältige institutionelle Änderungen verbunden sind. Nach dem Ereignis des Reaktor-Unglücks in Fukushima war zur CO2-Problematik noch die der Beherrschbarkeit dieser Technologie hinzugekommen. Die Wende zu Erneuerbaren Energien führte zu

– neuen Finanzierungsinstrumenten (EEG-Abgabe) und Einkommensquellen (z.B. für Gemeinden und Bauern)

- Umgestaltung des rechtlichen Rahmens

- Gründung neuer Unternehmen, Aufwertung bestimmter wirtschaftlicher Bereiche und Abwertung anderer

- Umgestaltung bzw. Neugewichtung von Bereichen der staatlichen Verwaltung

- Auf- und Abwertung bestimmter Funktionen in Unternehmen usw.

Märkte wurden also umgeformt bzw. neu geschaffen. Im Ergebnis wurde dezentrale Ansätze der Energieversorgung abgewertet (z.B. ein u.a. von VW verfolgtes Konzept, viele Blockheizkraftwerke in Mehrfamilienhäusern zu vernetzen) und die Verkehrswende abgebogen in Richtung einer vernetzten E-Mobilität (wegen der Unkompliziertheit der E-Motoren mit Arbeitsplatzabbau verbunden).

Bei Meinungsumfragen zeigte sich schon lang eine stabile Mehrheit gegen die Atomkraft. Man kann sich vorstellen, dass mit dem Prozess, der schließlich zu einer Marktwahl führt, das Ziel der Energiewende tiefgehender, umfassender und nachhaltiger angegangen worden wäre