Hier steht bewusst nicht, dass Marktwahlen zu einer "neuen" Gesellschaft führen würden. Denn die These ist, dass wesentliche Elemente dafür schon entstanden sind. Mit unserer jetzigen Gesellschaft muss nicht "gebrochen" werden. Deshalb muss nicht etwas Neues erfunden oder gesellschaftlich "hergestellt" werden. Es geht um das Gegenteil eines „utopischen“, nicht an Ort und Zeit gebundenen Modells - und erst recht nicht um die Herstellung eines „Neuen Menschen“, wie er in Teilen der traditionellen Arbeiterbewegung angestrebt wurde. Denn die Kultur des Berechnens, der technologischen Beherrschung und der Selbstermächtigung, das Unendlichkeitsdenken, soll gerade überwunden werden. Und schon am Anfang unserer Gesellschaft verfestigte sich diese Kultur in der Vorstellung, man könne eine neue Gesellschaft durch eine „Revolution“ herstellen, weshalb man „die Macht“ erobern und neu verteilen müsse. (siehe Das K-Wort) Vor allem haben wir eine Kette von „technologischen Revolutionen“ hinter uns, die von Experten unter sich auf den Weg gebracht wurden – tiefgreifende Veränderungen unserer Welt mit den bekannten Folgen und Nebenfolgen… (siehe Warum jetzt?)

Trotzdem würden natürlich Marktwahlen wesentliche Zusammenhänge verändern. Aber damit würde nur formalisiert, durchschaubar und demokratisch legitimiert, was in der Klimakrise nach öffentlichem Druck seit über dreißig Jahren endlich begonnen wurde. Und was in der Corona-Pandemie unter dem Druck der realen Möglichkeit von völligem Chaos und Zusammenbruch innerhalb einiger Wochen erreicht war: wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen, die an einem vernünftigen Ziel orientiert sind und deshalb von vielen Menschen mitgetragen werden.

Aber wie kann eine andere Gesellschaft nahe liegen - wenn man an wirtschaftliche Macht, Profitstreben, Konkurrenzdruck, Wachstumszwang und die staatliche Rahmengebung für all dies denkt?