Oben war festgestellt worden, dass unsere Gesellschaft um die Perspektive der Unendlichkeit kreist und den Unendlichkeits-Diskurs zur Vorherrschaft bringt. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass sie ständig ausdrücklich zur Richtschnur aller Entscheidungen gemacht wird. Die gesellschaftlichen Diskussionen kreisen eher um diese Perspektiven wie um einen blinden Fleck. Wenn jemand dieses Denken konsequent in die Zukunft weiter führt, wird er oft hören, dass doch keiner Mars-Kolonien wolle oder Nano-Roboter in der Blutbahn oder genetisch optimierte Kinder oder Künstliche Intelligenzen, die uns zu unserem Wohl regieren, oder voll synthetisches Superfood oder Lufttaxis oder … oder ... . (siehe Das K-Wort)

Diese utopischen Phantasien spiegeln jedoch nicht nur unsere Unendlichkeits-Kultur, sondern schreiben sie als Pläne und Blaupausen für die Zukunft fort. So wenig der Unendlichkeits-Diskurs also rational ist, so allgegenwärtig ist er. Denn die Unendlichkeitsperspektive richtet uns immer stärker aus in der Welt der Dinge, die unser Leben bestimmen. Unser Wirtschaften scheint nur darin Sinn zu machen, dass es alle Dinge, die uns umgeben, ständig veralten lässt, um neue Dinge an ihre Stelle zu setzen. Sie lässt uns ver-rückt handeln, geleitet von der Perspektive der unendlichen Leistungsfähigkeit: angefangen bei den Autos und der Medizin über digitale Assistenzsysteme in immer mehr Lebensbereichen bis hin zur vielfältigen Optimierung unserer Körper.

Dass dieser Unendlichkeits-Diskurs sich nur als Rationalität verkleidet, zeigt sich schon daran, dass die Dinge, die die Menschen machen, ihnen nicht mehr als Grundlage für ein sicheres und zufriedenes Leben dienen können. Denn Menschen sind zutiefst soziale Wesen, von ihrer Geburt an verwoben mit Menschen in ihrer Umgebung, die sie immer mehr erweitern – inzwischen in weltweiten Netzen. Und genauso verwoben sind wir als biologische Wesen mit den „Ökosystemen“, in denen wir leben, von Mikro-Biom in uns bis zur Qualität von Luft und Wasser als wichtigsten Lebensmitteln.