Häufig wird unser Stand der Dinge heute als Ergebnis eines Prozess der Zivilisierung, der Modernisierung oder der Entwicklung bezeichnet. Damit wird verdeckt, wie lang, kompliziert und widersprüchlich der historische Prozess war, in dem der heutige westliche „ökonomische Mensch“ mit seinem „rationalen Denken“ entstand. Das Wirtschaften war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nicht auf größtmögliche Profite, ständige technologische Revolutionen, Streben nach materiellem Luxus oder höchstmögliche Verdienste ausgerichtet. Wenn man die Industrialisierung in England als Beispiel nimmt, so setzt sie viel voraus: die Privatisierung („Einhegung“) von vorher gemeinschaftlich genutztem Land, die Beendigung der traditionellen Armenfürsorge auf dem Land, den gesetzlichen Zwang zur Lohnarbeit, die gleichzeitige Entwicklung der Naturwissenschaft nach dem Leitbild der Physik und ihre Ausrichtung auf technologische Nutzung genauso wie die Herausbildung zentralisierter Nationalstaatlichkeit. Das Gefühl der Überlegenheit gegenüber anderen, teils viel traditionsreicheren Kulturen entsteht als Kehrseite dieser "westlichen" Kultur des Berechnens, des Beherrschens und der Selbstermächtigung.

Diese Skizze macht schon deutlich, dass überall diskutiert wurde und Entscheidungen getroffen werden mussten. Mächtige versuchten, alte Verhältnisse beizubehalten oder neue gegen unterschiedlichste Widerstände durchzusetzen, bis schließlich eine veränderte Sicht der Welt selbstverständlich wurde - auch wenn überall die vorherigen Welten und Weltsichten zum Vorschein kommen konnten.