In der westlichen Geschichte gingen die Vordenker wie auch die Entscheider immer wieder davon aus, dass Ignoranz oder Egoismus oder gar der Kampf jedes Menschen gegen jeden anderen (Thomas Hobbes) natürliche Gegebenheiten seien, die durch kulturelle Einrichtungen gebändigt werden müssten. Vor diesem Hintergrund wurde die Suche nach Mechanismen wichtig, mit denen der Ausgleich der Interessen zwischen den ignoranten oder egoistischen oder wölfischen Einzelnen dennoch erreicht werden kann. Mit dem Ziel, solche Befriedungs-Mechanismen einzurichten, wurden Verfassungen konstruiert, die Teilung der staatlichen Gewalt zwischen Exekutive, Legislative und Judikative institutionalisiert und Märkte als Ausgleich im Interesse des Allgemeinwohls geformt.

Besonders groß war das Misstrauen der Vordenker und der Entscheider den Massen gegenüber: Das Wahlrecht war zunächst für die Männer stark eingeschränkt. Für Frauen wurde es für unmöglich gehalten, weil sie ähnlich gesehen wurden wie Kinder. Zur „Vernunft“ mussten die einfachen Leute auf jeden Fall erst gebracht werden: mit der Herausarbeitung einer Nationalsprache, dem staatlichen Zwang zur Lohn-Arbeit, den Strafen in den Fabriken, betrieblichen Fürsorge-Systemen usw. . Aber natürlich bedeutet dies, dass auch die Vordenker und Entscheider den über Jahrhunderte sich vollziehenden Herstellungs-Prozess des "ökonomischen Menschen" durchlaufen haben müssen. (Joseph Vogl) Dieser Skizze macht klar, dass es keineswegs selbstverständlich war, wer als vollwertiger Mensch gesehen wurde und als Teil der Bürgerschaft, der alle Rechte zustanden, über sich selbst und die Welt zu bestimmen.