Die Tradition der Kämpfe gegen „das Kapital“ ist auch eine Tradition der Niederlagen und Irrwege. Dem „Kapital“ konnte die „Arbeit“ gegenüber gestellt werden als gesellschaftlicher Ort der Wahrheit. Die Erkenntnis dieser Wahrheit werde von den Arbeiterführern in die Strategie und Taktik der Revolution umgesetzt. Stalin und seine Gefolgsleute konnten, zunächst international unterstützt von vielen Intellektuellen, diese Sicht zuspitzen und bestimmte Gruppen als „kapitalistisches Bürgertum“ definieren, das ausgerottet werden müsse. Wie wirkmächtig diese Verortung der gesellschaftlichen Wahrheit war, zeigt sich daran, dass auch Hitler und noch mehr die SA sich als antibürgerliche Kämpfer gegen „das Kapital“ darstellten, insbesondere das internationale „jüdische Finanzkapital“. Für diejenigen kritischen Intellektuellen, Kommunisten, Sozialisten oder Sozialdemokraten, die die Verhältnisse ändern wollten, war in dieser Konstellation kein Platz: Sie gehörten zu den ersten Opfern von Stalinismus und Faschismus. Damit war eine Tradition des Denkens um Jahrzehnte zurückgeworfen, in der jenseits von diesen sozialtechnologischen, „totalitären“ Allmachtsphantasien (Hannah Arendt) eine Veränderung der kapitalistischen Verhältnisse debattiert und organisiert wurde.